Davies, Adam: Goodbye Lemon
Diogenes Verlag
erschienen: 2010
ISBN: 978-3-257-24028-3
Taschenbuch
345 Seiten
Preis: 9,90 EUR

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Original „Goodbye Lemon” 2006. Aus dem Amerikanischen von Hans M. Herzog

Davies, Adam


Goodbye Lemon



Eine „anrührende Familiengeschichte“ ist normalerweise kein Argument für mich, ein Buch zu lesen. Da kann viel auf ein zweifelhaftes Happy End hin konstruiert sein. Aber nachdem Adam Davies in seinem Debüt, dem tragikomischen Liebesroman „Froschkönig“, bewiesen hat, dass er ein klischeebehaftetes Thema überraschend neu erzählen kann, war ich neugierig auf sein zweites Buch.

Darin kehrt der Ich-Erzähler Jack Tennant nach fünfzehn Jahren zu seiner Familie zurück - weil sein gehasster Vater einen schweren Schlaganfall hatte und Jacks Freundin ihn dazu drängt. Jack war fünf, als sein Bruder ertrunken ist, und seitdem herrscht Schweigen in der Familie. Niemand spricht über den Unfall, Jacks Vater und Bruder betäuben sich mit Alkohol, die Mutter flüchtet sich in einen zwanghaften Perfektionismus. Jack ist überzeugt, dass sein Vater verantwortlich ist für den Tod des Bruders und hat seinen Hass jahrelang in sich hineingefressen. Aber der durch die Krankheit stumme, bewegungsunfähige Vater und eine Pflegerin, die sich nicht an die familiären Spielregeln hält, erschüttern sowohl die extremen Emotionen als auch die festgelegten Rollen der Familie.
Alles scheint auf eine Katastrophe hin zu laufen - gleichzeitig bekommt der Leser und die Leserin mit dem Fortgang von Jacks Erzählung zunehmend das Gefühl, dass seine Sicht nicht die einzig mögliche ist. Gibt es nach so langer Zeit noch eine Perspektive für diese kaputte Familie?

Es gelingt Adam Davis, das ganz Schwere mit schwarzem Humor und (in positivem Sinn) amerikanischer Leichtigkeit zu erzählen. Nichts ist zu dick aufgetragen, vielmehr zeigt er sehr gut nachvollziehbar die verheerenden Folgen, wenn in einer Familie über ein schmerzhaftes Ereignis nicht gesprochen wird und wenn Eltern ihre Gefühle für sich behalten, statt sie mit den Familienmitgliedern zu teilen. Verletzungen und quälende Erinnerungen stehen dem Wunsch nach Liebe und Vergebung gegenüber. Lesen Sie, was am Ende bleibt!

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