Meckel, Miriam: Brief an mein Leben
Rowohlt Taschenbuch Verlag
erschienen: 2011
ISBN: 978-3-499-62701-9
Taschenbuch
223 Seiten
Preis: 9,99 EUR

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Meckel, Miriam


Brief an mein Leben


Erfahrungen mit einem Burnout


Ein Buch über Burnout stürmt die Spiegel-Bestsellerliste! Damit wird klar, dass Burnout nicht mehr als Phänomen in sozialen Berufen oder als elitäre Managerkrankheit verharmlost werden kann, sondern viele Menschen in allen Branchen und Hierarchieebenen betrifft.

Die Autorin ist eine erfolgreiche Powerfrau: Miriam Meckel, Kommunikationswissenschaftlerin, einst die jüngste Lehrstuhlinhaberin Deutschlands, Regierungssprecherin und Staatssekretärin - jetzt Professorin in St. Gallen. Sie schreibt über ihren körperlichen und psychischen Zusammenbruch und den anschließenden Aufenthalt in einer psychosomatischen Klinik. Ein mutiges Buch, denn es macht die Autorin angreifbar. Sie schreibt offen und persönlich, aber niemals sich selbst entblößend oder letzte Einsichten preisgebend. Das gibt dem Buch einerseits einen angenehmen Ton der Professionalität, andererseits wirkt es gelegentlich angestrengt, wenn sie z.B. ihre Freundin erwähnt, aber nie deren Namen nennt, während ihre Beziehung zu Anne Will allgemein bekannt ist.

Miriam Meckel analysiert die Gründe für ihre Erkrankung, schildert wie Informations-Overload, versuchtes Multitasking, Perfektionismus sowie Selbstdefinition über Leistung und Medienöffentlichkeit zu einem Zustand totaler Erschöpfung geführt haben - und welche Herausforderungen Klinikalltag und Therapie für sie bedeuten. Berührend sind die Abschnitte über ihre Einsamkeit, Ich-Bezogenheit und das Getrenntsein von ihren eigenen Gefühlen. Abschließend schreibt Meckel einen Brief an ihr Leben: „... komm zurück zu mir und lass mich zu. ... Du fehlst mir so in all dem, was ich bislang getan habe“.

„Burnies“ werden sich in vielen Situationen und Details wiedererkennen, jedoch ist das Buch kein praktischer Ratgeber für akut von Burnout Betroffene. Vielmehr zeigt es, welche Persönlichkeitsmerkmale, Verhaltensweisen und gesellschaftlichen Faktoren zu einem Burnout führen können. Damit kann es LeserInnen helfen, noch rechtzeitig ein Burnout abzuwenden und hoffentlich das Nachdenken anregen über den Leistungsanspruch unserer Gesellschaft und burnout-begünstigende Strukturen in vielen Unternehmen.

Am Ende bleibt die spannende Frage, wie es Miriam Meckel in Zukunft geht mit ihrer Burnout-Erfahrung: Das Buch entstand größtenteils 2008 in der Klinik als Teil der Krankheitsbewältigung - und wird nun mit starker Präsenz der Autorin in den Medien veröffentlicht. Gelingt es Miriam Meckel dabei, ihr Leben glücklich zu leben und der Droge „Ich bin wichtig, weil ich öffentlich wahrgenommen werde“ dauerhaft zu entkommen?

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