Tewinkel, Christiane: Bin ich normal, wenn ich mich im Konzert langweile?
DuMont Buchverlag
erschienen: 2011
ISBN: 978-3-8321-6149-1
Taschenbuch
272 Seiten
Preis: 9,99 EUR

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Tewinkel, Christiane


Bin ich normal, wenn ich mich im Konzert langweile?


Eine musikalische Betriebsanleitung


Sie glauben also, mit Ihnen stimme etwas nicht, weil Sie Bach nichts abgewinnen können, in Konzerten an die verpasste Fußball-Live-Übertragung denken und von Opern tendenziell leicht genervt sind. Aber eigentlich lieben Sie doch Musik…! Hier die gute Nachricht: Nicht Sie sind das Problem, sondern … - ja, da gäbe es einiges zu klären, aber das sollten Sie dann doch besser selbst nachlesen.
Wir sind also potenzielle Kulturbanausen, wenn wir dieses Buch zur Hand nehmen, denn an die scheint sich das Buch ja zu wenden. Aber wenn wir den unzähligen Belehrungen, die wir in unserem Leben schon zum Thema „Wie findest du eigentlich Beethovens späte Streichquartette?“ oder anderen Fragen dieser Art erhalten haben, noch eine weitere hinzugefügt erwarten, werden wir positiv überrascht. Die Autorin hat gar nicht die Absicht, uns mit Musiktheorie zu nähren, bis wir - annähernd - ihr hohes Niveau erreichen. Sie ist froh, mit jemandem auf Augenhöhe sprechen zu können, dem es nicht um Pausensekt und Abendgarderobe geht, sondern einfach nur um die Musik. Nicht wir ticken automatisch falsch, wenn wir uns im Konzertsaal langweilen, sondern vielleicht haben wir ja sogar Recht - denn die Musik, die da gespielt wird, war gar nicht für diesen Rahmen gedacht.

Wir kennen alle dieses intellektuelle Gesellschaftsspiel in der Pause oder nach dem Konzert („Also, ich fand es wirklich nett, aber ich kenne kaum eine Sopranistin, die diese schwierige Passage im zweiten Akt…“) und lassen uns allzu schnell davon einschüchtern. Schade eigentlich, denn solange man mitspielt, verpasst man viel von dem, was Musik erst wirklich schön macht. Insofern ist Christiane Tewinkels Buch der Versuch einer Befreiung mit dem Grundtenor: Jeder hat ein Recht auf sein persönliches Musikerleben. Und während sie nun einerseits immer wieder diese Freiheit absichert und betont, versucht sie andererseits behutsam, ein wenig die dahinter liegende Musiktheorie transparent zu machen, um den Musikgenuss zu erhöhen. Und da gibt es dann für alle mehr oder weniger vorgebildeten musikalischen Laien viel Interessantes zu entdecken: Warum sind Klassische-Musik-Stücke so lang? Was heißt es, einen Ton zu treffen? Warum sind Konzerte so teuer? Was verdienen Musiker? Wie funktioniert Improvisation?

Auch wenn Christiane Tewinkels Versuch, formelle Gegebenheiten zum höheren Hörgenuss für musikalische Analphabeten didaktisch aufzubereiten nicht immer funktioniert, bleibt es unter dem Strich ein sehr kurzweiliges und aufschlussreiches Buch. Es macht wirklich Spaß zu lesen und am Ende hat man als Laie auf alle Fälle viel Neues erfahren. Und wenn man nach der Lektüre der Musik genauso unverkrampft und genusssüchtig entgegentreten kann, wie es das Buch tut, so ist die Mission wohl als erfüllt zu betrachten. Alles in allem ist das Buch eine sympathische und unterhaltsame Liebeserklärung an die Musik, voller Respekt geschrieben gegenüber den Menschen, die sie auf jeweils ihre eigene Weise hören.

- Eine Empfehlung unserer Kundin Dagmar Eickel -

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