Berman, Sabina: Die Frau, die ins Innerste der Welt tauchte
S. Fischer Verlag
erschienen: 2011
ISBN: 978-3-10-021606-9
gebunden mit Lesebändchen
303 Seiten
Preis: 19,95 EUR

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Original 2010 „La Mujer que buceó dentro del Corazón del Mundo”. Übersetzt von Angelica Ammar

Berman, Sabina


Die Frau, die ins Innerste der Welt tauchte


Roman


Isabella erbt von ihrer Schwester eine Thunfisch-Fabrik an der mexikanischen Pazifikküste - und ein verwahrlostes, autistisches Mädchen, ihre Nichte Karen. Die fühlt sich im Wasser und bei den Meerestieren wohler als an Land und unter Menschen. Durch die Förderung ihrer Tante lernt sie sprechen, „Ich“ zu sagen und findet sie ihren Weg in die Welt der „Standardmenschen“. Auf Grund ihrer andersartigen Fähigkeiten entwickelt Karen eine revolutionäre Idee und macht aus der fast bankrotten Thunfisch-Fabrik einen global erfolgreichen Konzern.

Diesen Weg über 30 Jahre erzählt Karen im Buch: Für sie gibt es keine Grenze zwischen Menschen und nicht in Worten denkenden Tieren. Glück ist für sie, mit dem Körper und allen Sinnen zu empfinden, statt wie die Standardmenschen das Denken höher zu schätzen als das Sein. Karen kann nicht lügen, hat keine Phantasie und agiert sozial völlig unangepasst. Ein Standard-Intelligenztest bescheinigt ihr Schwachsinn, aber in Bezug auf Gedächtnis, räumliches Denken und Konzentration ist sie den meisten weit überlegen. Sie mag keine Berührungen von Menschen, aber liebt das sichere Gefühl, in einem Taucheranzug zu sein.

Der Autorin Sabina Berman gelingt eine bemerkenswerte Situationskomik, die Karens Welterleben vermittelt, ohne dass wir je über Karen lachen. So lässt sie Karen emotionsfrei ihre Erfahrungen in der Behindertenschule und im Studium schildern, wo sie sich mehr für Schlachthauspläne als für Studentenparties interessiert. Karens Beobachtungen der genormten, engen Standardmenschenwelt sind ein Spiegel für alle, die darin leben - ohne moralische Wertung.
„In Bezug auf das Nicht-Menschliche sind wir zivilisierten Menschen Autisten.“ sagt Tante Isabella. Berman propagiert aber keinen Okö-Idealismus, sondern vermittelt eine feinere Wahrnehmung für Lebensformen, die vom Offensichtlichen abweichen und darüber hinausgehen.
Ein Buch, das Freude schenkt, nachdenklich macht und mit dem Thema Thunfischfang auch ein politisch ernstes Thema verarbeitet. Eine Autorin mit viel Humor, einem großen Herz und liebevollen Blick auf alles Menschliche - und dem Handwerkszeug, das an die LeserInnen weiterzugeben.

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