Seethaler, Robert: Ein ganzes Leben
Goldmann Verlag
erschienen: 2016
ISBN: 978-3-442-48291-7
Taschenbuch
185 Seiten
Preis: 9,99 EUR

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Seethaler, Robert


Ein ganzes Leben


Roman


1902, der kleine Andreas Egger kommt nach dem Tod seiner Mutter zu entfernten Verwandten in ein abgelegenes Bergdorf. Vom Großbauern wird er zum „Hinkebein“ geprügelt und wächst dennoch zu einem starken jungen Mann. Er schuftet als Knecht, Holzfäller und Seilbahnbauer, findet seine große Liebe und verliert sie durch ein tragisches Unglück. 1942 schickt die Wehrmacht Egger in den Krieg nach Russland, erst nach Jahren als Kriegsgefangener kehrt er in sein Dorf zurück. Er arbeitet als Bergführer und richtet sich seine letzten Jahre in einem aufgegebenen Viehstall außerhalb des Dorfes ein. „Er hatte niemanden, doch er hatte alles, was er brauchte, und das war genug“.

Der Autor erzählt vom Wechsel der guten und verzweifelten Zeiten. Die Leser/innen sehen ein ihnen fremdes Leben und ahnen, dass das Gelingen eines Lebens nie von außen, von anderen beurteilt werden kann. Andreas Egger ist am Ende zufrieden.

Als Vielleserin muss ich vorsichtig sein mit dieser Formulierung, aber ich kenne keinen Autor, der Schönheit und Schmerz so in eins bringt wie Robert Seethaler.

Die Schönheit seiner Sprache, in der kein Wort zu viel ist, jedes richtig gesetzt, ohne kalkuliert zu wirken.

Die Schönheit der Bilder, scheinbar schlicht und dabei von starker Wirkung. In „Ein ganzes Leben“ gibt es einige durchaus derbe, krachende Szenen. Sie stehen im Kontrast zu den ganz feinen, in denen wenig viel ausdrückt.

Der Schmerz des Menschen Andreas Egger ist ihm teilweise bewusst, teilweise verdrängt er ihn. Umso mehr überträgt der Autor ihn auf empfindsame Leser/innen. Sie sind hin- und hergerissen zwischen der Tapferkeit, mit der Andreas Egger sein Leben meistert – und den in vieler Hinsicht erdrückenden Situationen, in die er gerät. Es ist eine Achterbahn der Gefühle, auf die Seethaler seine Leser/innen schickt.

Am Ende legt man dieses nur 185 Seiten reichende Wunderwerk zögernd aus der Hand, beglückt und mit Tränen in den Augen.

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