Alderman, Naomi: Ungehorsam
Berliner Taschenbuch Verlag
erschienen: 2008
ISBN: 978-3-8333-0552-8
Taschenbuch
240 Seiten
Preis: 10,95 EUR

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Original 2006 „Disobedience“. Übersetzt von Christiane Buchner und Miriam Mandelkow

Alderman, Naomi


Ungehorsam


Roman


Ronit, Tochter eines bekannten Rabbiners, hatte mit 18 Jahren die Enge ihrer orthodoxen jüdischen Gemeinde im Londoner Vorort Hendon verlassen, um nach New York zu gehen. Als ihr Vater gestorben ist, kehrt sie zurück und trifft unerwartet auf ihre erste Liebe Esti, die sie seit vielen Jahren nicht mehr gesehen hat. Esti ist inzwischen verheiratet mit dem gemeinsamen Jugendfreund Dovid, der nun der neue Rabbi werden soll.
Die Rückkehr der Außenseiterin Ronit bringt nicht nur in der geordneten jüdischen Gesellschaft, sondern auch bei Esti und Ronit viel in Bewegung ... Es entwickelt sich eine berührende Geschichte um die ständige Veränderung des Lebens.

Die Erzählperspektive wechselt zwischen Ronits Erinnerung und einem namenlosen Erzähler, der mit dem jüdischen Leben in Hendon sehr vertraut ist. Dadurch erfahren die LeserInnen viel über jüdische Rituale und über Ronits Gefühle. Diese breite Spanne (und Spannung) zwischen Äußerem und Inneren ist ein Kennzeichen des Romans.

Vielfältig sind die Themen, die Naomi Alderman in ihrem Erstlingswerk anspricht - und das auf wenig mehr als 200 Seiten, mit Tiefgang, Leichtigkeit und Selbstironie:
Wir sehen vorgezeichnete Lebenswege, Umstände, die man sich nicht aussuchen kann und die Anpassung oder Widerstand erfordern. Dabei ist es die Lebensaufgabe des Menschen, immer wieder Entscheidungen für sein Leben zu treffen und es ist notwendig, eigene Antworten auf die Fragen des Lebens zu finden. Es geht um die Auseinandersetzung mit den eigenen Wurzeln, die sich bewegen kann zwischen den Polen von Flucht und Verdrängung auf der einen Seite sowie Mut, klarem Blick und Milde gegenüber sich selbst und den Mitmenschen auf der anderen Seite.
Das Buch handelt von Verletzungen, die durch Schweigen geschlagen werden und vom Schweigen zur rechten Zeit. Es thematisiert die Macht der Sprache, die schöpferische und zerstörerische Kraft des Wortes. Was passiert, wenn Wahrheit ausgesprochen wird und die vernichtende Dynamik von Gerüchten aufgebrochen wird?
Und schließlich schreibt Alderman über ganz unterschiedlichen Arten von Liebe und Glück.

Wer sollte von so viel Gefühl und Lebensphilosophie nicht angesprochen sein?

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