Forster, Edward Morgan: Auf der Suche nach Indien
Eder & Bach Verlag
erschienen: 2015
ISBN: 978-3-945386-13-2
Halbleinen
384 Seiten
Preis: 10,00 EUR

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Reihe "Die ZEIT Bibliothek der verschwundenen Bücher"

Forster, Edward Morgan


Auf der Suche nach Indien


Roman


Edward Morgan Forster (1897-1970) hat mit seinem 1924 erschienenen Roman „Auf der Suche nach Indien“ einen Klassiker der englischen Literatur und den wohl bekanntesten Indien-Roman des 20. Jahrhunderts geschrieben. Die deutsche Übersetzung erschien erstmals 1960. Das klingt etwas angestaubt, aber ein wirklicher „Klassiker“ zeichnet sich gerade dadurch aus, dass er auch nach Jahrzehnten nichts von seiner erzählerischen Kraft verloren hat.
Worum geht es? Miss Adela Quested kommt mit ihrer künftigen Schwiegermutter Mrs. Moore nach Britisch Indien, in eine kleine Beamtenstation am Ganges. Sie möchte vor der Hochzeit mit dem Richter Ronny Heaslop das Land kennenlernen. Die beiden Frauen treffen den Arzt Aziz, der sie zu einem Ausflug in die geheimnisvollen Marabar-Grotten einlädt. In einer der Höhlen meint Adela, Aziz will sie vergewaltigen und flieht völlig aufgelöst. Die englische Kolonialgesellschaft nimmt dies als willkommenen Anlass, um Aziz den Prozess zu machen und mit ihm alle Inder zu erniedrigen – obwohl der Vorwurf unbegründet ist.

Forster lebte mehrere Jahre in Indien und zeichnet daher ein ebenso realistisches wie eindrückliches Bild der indischen Gesellschaft – auch bzgl. der Spannungen zwischen Moslems, Hindus und weiteren Glaubensrichtungen sowie der Abwesenheit von Frauen im öffentlichen Leben. Er schildert die Ereignisse aus der Sicht verschiedener Figuren und baut damit Spannung auf, weil sich das Bild, was wirklich geschah, erst allmählich zusammensetzt. Die bewusste Provokation der Inder durch die Engländer fokussiert die Arroganz und den Rassismus der Kolonialherren. Die gesellschaftliche Entwicklung ist in der Kolonie erstarrt und was zu Hause längst gelebt wird – z.B. die Gleichberechtigung der Frau – ist hier undenkbar. Offensichtlich lässt sich das Kolonialsystem nur durch ein verkrampftes Festhalten an alten Regeln und Vorurteilen aufrechterhalten. Eine zentrale Frage des Buches ist es, ob Freundschaft zwischen Indern und Engländern, Herrschern und Beherrschten, möglich ist. Ansätze dazu entwickeln sich, aber die gesellschaftlichen Umstände, die Missverständnisse und Argwohn schüren, verhindern das Wachsen dauerhafter Beziehungen. Es wird deutlich, dass diese nur in Freiheit, zwischen Gleichberechtigen möglich sind.
Von erstaunlicher Aktualität sind in Forsters Roman die Überlegungen, ob es einem wirtschaftlich wenig entwickelten Land dienlich sein, wenn es von einer Großmacht vereinnahmt wird und ob es möglich ist, als Besatzungsmacht die Mentalität einer fremden Kultur zu verstehen. Die Rolle der moralisch überlegenen Weltmacht wird heute von anderer Stelle beansprucht als 1924, aber der Herrschaftsanspruch einzelner Nationen ist offensichtlich ungebrochen.

Der Roman wurde unter dem Titel „Reise nach Indien“ verfilmt, ebenso wie Forsters Bücher „Zimmer mit Aussicht“, „Wiedersehen in Howards End“ und „Maurice“.

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