Wescott, Glenway: Der Wanderfalke
Fischer Taschenbuch Verlag
erschienen: 2007
ISBN: 978-3-596-16053-2
Taschenbuch
156 Seiten
Preis: 8,95 EUR

» in den Warenkorb » Titel wünschen » Titel merken » Titel empfehlen » Noch Fragen?

Original 1940 „The Pilgrim Hawk“

Wescott, Glenway


Der Wanderfalke


Eine Liebesnovelle


Ein Buch mit einer ganz starken Intensität, in dem Glenway Wescott die großen Themen der Literatur und des Lebens auf weniger als 160 Seiten verarbeitet: Liebe – die unerfüllte Sehnsucht danach ebenso wie ihre Veränderung in einer langjährigen Beziehung. Leidenschaft. Eifersucht. Freiheit – die umso weniger erlangt werden kann, je stärker man dafür kämpft oder die um kurzfristiger Vorteile willen aufgegeben wird. Angst vor dem Alter. Tod. Bemerkenswert ist, dass es Wescott gelingt, diese gewichtigen Stoffe völlig ohne Pathos und in einer knappen Geschichte zu thematisieren: Ende der zwanziger Jahre besucht das wohlhabende irische Ehepaar Cullen den amerikanischen Ich-Erzähler und seine gute Freundin Alexandra auf deren Anwesen in Frankreich. Das Besondere an diesem Besuch ist, dass Mrs. Cullen einen Wanderfalken mit Namen Lucy mitbringt und dieser zum Angelpunkt der Gespräche und zum Sinnbild für Liebesverlangen und Tod wird. Die Cullens lieben und bekämpfen sich – der Falke wird von ihm ebenso gehasst wie von ihr vergöttert. Lucy wühlt wie ein Luzifer die Gefühle der Personen auf und lässt die Hülle der gesellschaftlichen Konventionen brüchig werden.
Wescott arbeitet in dieser „Liebesnovelle“ mit autobiographischen Motiven, beispielsweise im Zweifel des Erzählers an seiner schriftstellerischen Begabung. Oder mit seiner Erfahrung der Einsamkeit in der Eigenschaft des Falken, nach erfolglosen Jagdversuchen lieber zu verhungern, als ein weiteres Mal enttäuscht zu werden. Bei dieser Art von Bezügen und der starken Symbolik der Novelle besteht potenziell die Gefahr, sich in Plattheiten zu verlaufen. Es ist ein Beweis für Wescotts schriftstellerisches Können, dass dies niemals der Fall ist und am Ende des Buches das Gefühl bleibt, es noch einmal lesen zu wollen, um seine Fülle ansatzweise fassen zu können.

Der Amerikaner Glenway Wescott (1901 – 1987) arbeitete und reiste zwischen 1925 und 1933 in Europa, vor allem in Frankreich, wo er mit Gertrude Stein und Jean Cocteau befreundet war. Sein Freund Monroe Wheeler unterstützte von Anfang an Wescotts Talent als Autor und die beiden lebten über sechzig Jahre zusammen.

« zur Liste "Belletristik"