Lu Wenfu: Der Gourmet
Diogenes Verlag
erschienen: 2005
ISBN: 978-3-257-22785-7
Taschenbuch
180 Seiten
Preis: 8,90 EUR

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Neuausgabe. Original 1982 "Meishijia"

Lu Wenfu


Der Gourmet


Leben und Leidenschaft eines chinesischen Feinschmeckers


Zhu Ziye, der stadtbekannte Feinschmecker, lässt sich jeden Tag frühmorgens mit einer Rikscha zum Nudelfrühstück fahren, trifft sich dann mit seinen Freunden im Teehaus, anschließend zum Mittagessen, hält einen Verdauungsschlaf und feiert abends bei kulinarischen Köstlichkeiten in einem Weinlokal. Der mittellose, junge Kommunist Gao Xiaoting folgt den politischen Idealen Maos und erzählt von seinen Kämpfen gegen die verachtete Lebensart des Gourmets.

Lu Wenfus Roman lässt sich auf mehrere Weisen lesen: Einmal ist es die Geschichte zweier ganz unterschiedlicher Menschen, von denen der eine täglich und ausschließlich seinen individuellen, sinnlichen Bedürfnissen nachgeht – während der andere sein Leben in den Dienst einer politischen, zukunftsgerichteten Idee stellt. So unterschiedlich ihre Lebenswege sind, so verbunden sind sie doch über 40 Jahre und am Ende zeichnet sich ab, welches Ideal beständiger ist. Dabei macht der Autor deutlich, dass die Motive für scheinbar politisches Handeln oft niedere persönliche Beweggründe sind.
Zum anderen liefert Lu Wenfu ein lebendiges Bild Chinas: Seine Geschichte ist eingebettet in die Entwicklung des Landes ab 1945, reicht über die Gründung der Volksrepublik China, die Industrialisierung und die Kulturrevolution bis in die achtziger Jahre. Mit der Lebensgeschichte Gaos zeigt Lu Wenfu die Schwachstellen und das Scheitern der maoistischen Idee und es ist erstaunlich, dass die chinesische Zensur diese Offenheit zugelassen hat.
Die Lokalisierung des Roman in Suzhou, dem „Venedig des Ostens“, mit seinen zahllosen Gärten und der hochentwickelten Kochkultur, führt darüber hinaus zum dritten Aspekt des Buches: Die detaillierten Schilderungen der ausgefallenen Gerichte und ihrer Zutaten sind nur zu ertragen, wenn Sie sich in einem wohlgesättigten Zustand befinden oder wenn der Lektüre ein ausgiebiges chinesisches Mahl folgt.

Lu Wenfu, geboren 1928, begann als Reporter bei einer Lokalzeitung Erzählungen zu schreiben. 1957 gründete er mit Freunden eine Zeitschrift und wurde kurz danach als „parteifeindliches rechtes Element“ zur Umerziehung in eine Maschinenfabrik geschickt. Während der Kulturrevolution wurde er mit seiner Familie in ein entlegenes Dorf verbannt, wo er statt zu schreiben um das Überleben kämpfen musste. Nach dem Ende des Mao-Regimes fing er mit 50 Jahren noch einmal von vorne an und fand als Schriftsteller endlich den verdienten Erfolg.

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