Seethaler, Robert: Der Trafikant
Kein & Aber Verlag
erschienen: 2015
ISBN: 978-3-0369-5909-2
Taschenbuch mit Farbschnitt
250 Seiten
Preis: 11,00 EUR

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Seethaler, Robert


Der Trafikant


Roman


1937: Der siebzehnjährige Franz Huchel kommt aus dem Salzkammergut, wo er mit seiner Mutter in einer Fischerhütte gelebt hat, nach Wien. Er wird Lehrling in der Trafik von Otto Trsnjek und lernt von ihm, mit welcher Leidenschaft man Zeitungen und Zigarren verkaufen kann. Ein Stammkunde ist der alte Sigmund Freud und es entwickelt sich eine zarte Freundschaft zwischen Franz und dem Professor. Zugewandt steht er Franz bei seiner verwirrenden Entdeckung der „Klippen zum Weiblichen“ zur Seite.
Zunächst nur im Hintergrund, wird die zunehmende Sympathie vieler ÖsterreicherInnen für Hitler immer deutlicher. Die Trafik wird mit judenfeindlichen Parolen beschmiert, weil Professor Freud und andere Juden dort einkaufen. Nach der Annexion Österreichs durch die Nationalsozialisten im März 1938 gibt es für die Gewalt kein Halten mehr.

Mit der ihm eigenen Leichtigkeit erzählt Robert Seethaler von Franz’ Erwachsenwerden. Vom Aufbruch aus dem Nest am Attersee, bei seiner alleinerziehenden, liebevollen Mutter, ins fremde Wien. Von den Qualen pubertärer Sehnsucht, Unsicherkeit und Verzweiflung. Während Franz immer mehr versteht und sein Blick weiter wird, werden die politischen Verhältnisse immer bedrohlicher und enger. So wird aus der ganz zart beginnenden Geschichte ein erschreckendes Dokument, welchen Einfluss der Nationalsozialismus faktisch auf das Leben einzelner Menschen hatte.

Es sind die Bilder, die Seethaler in die Phantasie zeichnet und die bleiben: Die sinnliche Natur am See, die mit Schätzen aller Art gefüllte kleine Trafik, die Armut der Migratenmädchen in Wien, der zerbrechlich alte Professor Freud. Wie nebenbei erzählt er, was Psychoanalyse ist und kann bzw. nicht kann. Die Vorstellung, dass Freud so selbstironisch war, wie Seethaler ihn darstellt, ist vergnüglich. Nur ein Aspekt, bei dem glückliches Lächeln und Weinen in diesem Buch ganz nah beieinander liegen.

Tief berührt. Von dieser Geschichte. Und dass ein Autor so schreiben kann.

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